Otto InnoDays: Zusammenfassung

“Think. Create. Learn”: das war das Motto das Otto InnoDays 2016. Wie stellt sich die ganze Veranstaltung rückblickend vor dem Hintergrund dieses Mottos dar?

Motto: Think. Create. Learn.

“Think. Create. Learn.”: das war das Motto der InnoDays. Think und Create habe ich überall gesehen und gespürt. Das Lernen waren meiner Meinung nach etwas unterbelichtet. Sicherlich wurde viel auf technischer Ebene gelernt, auch bzgl. Machbarkeit (z.B. 3D-Druck von Gutscheinen). Und die Teams haben auch quantitativ etwas über den Markt gelernt. So hatten viele Teams Zahlen, Daten, Fakten über den Markt und bestimmte Nutzergruppen in ihrer Abschlusspräsentation. Mir fehlte noch das qualitative Lernen über den Markt – welche Probleme und Bedürfnisse haben real existierende Menschen (und nicht irgendein Durchschnitt) wirklich?

Fazit

Für mein Gesamt-Fazit zu den Otto InnoDays wiederhole ich das, was ich bereits ganz am Anfang geschrieben habe:

Im Vergleich mit ähnlichen Veranstaltungen in anderen Firmen waren die Otto InnoDays 2016 auf jeden Fall ganz vorne mit dabei. Und wenn ich dann bedenke, dass Otto ein Konzern mit über 4.000 Mitarbeitern und kein eBusiness-Unternehmen mit nur 200 Mitarbeitern ist, ziehe ich meinen Hut. Von den Otto InnoDays 2016 können sich viele vermeintlich agilere Unternehmen eine große Scheibe abschneiden.

Ich habe an einigen Stellen deutlich etwas zu mäkeln gehabt (Einbindung von Endkunden, Vernetzung von Ideen), aber das ist im Vergleich zu anderen Unternehmen Jammern auf hohem Niveau. Ich hoffe, dass meine Mäkeleien dazu führen, dass die Otto InnoDays 2017 noch cooler werden als die Otto InnoDays 2016. Und dann lasse ich mich gerne wieder dazu einladen.

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June 8, 2016 at 9:26 am Leave a comment

Otto InnoDays: ein paar Thesen

Aus den InnoDays können Otto und andere Unternehmen viel lernen – auch über die internen Prozesse und Strukturen. Ich habe dazu ein paar Thesen zusammengeschrieben. Vielleicht helfen diese, in der Zukunft noch bessere InnoDays zu gestalten – bei Otto und anderen Unternehmen.

InnoDays als dauerhafter Arbeitsmodus

Die Ergebnisse der Otto InnoDays waren größtenteils geeignet, um die Wertschöpfung zu erhöhen. Das zeigt sich auch darin, dass von den sieben Gewinnern fünf für die finale Umsetzung ausgewählt wurden (und nicht nur, wie zunächst vereinbart, nur eines).

These: Wenn man Entwicklungsteams ausreichend kundennah aufstellt, braucht man keine übergeordneten Roadmap-Planungsprozesse mehr. Man kann InnoDays zum regulären Arbeitsmodus machen.

Siehe dazu auch Agile Fluency Modell, 3 Sterne.

Einbindung von Endkunden

Die Ergebnisse der InnoDays hätten noch besser sein können, wenn es eine noch größere Kundennähe gegeben hätte. Das hat sich vor allem dort gezeigt, wo man nicht den Service für existierende Kundengruppen verbessern, sondern neue Kundengruppen (“die jungen Leute”) ansprechen wollte.

These: Die Teams sollten direkten und intensiven Kontakt zur anvisierten Zielgruppe haben. Personen der Zielgruppe können temporär oder dauerhaft Teammitglieder sein.

Das ist übrigens keine “neumodische utopische Idee”, sondern ein alter (leider in Vergessenheit geratener) Hut: siehe Participatory Design.

Vernetzung von Ideen

Jede initiale Idee hat wertvolle und vollkommen bescheuerte Anteile. Die wertvollen Anteile müssen herausgearbeitet und die bescheuerten Anteile entfernt werden. Das geht am Effektivsten, wenn Ideen durch mehrere Gehirne gehen. Das einsame Genie ist ein Mythos (siehe Keith Sawyer: “Group Genius”).

These: Ideen müssen durch mehrere Gehirne gehen und miteinander vernetzt werden. Ein frühzeitiges Aussortieren “schlechter” Ideen ist genauso kontraproduktiv wie ein frühzeitiges Commitment auf “gute” Ideen.

Man kann hier das Design Thinking-Prinzip “Defer Judgement” wiedererkennen.

Fazit

Die Otto InnoDays 2016 waren eine coole Veranstaltung. Die Ergebnisse sind wertvoll für Otto. Das Otto uns als Beobachter zuließ, kann uns als Community helfen, noch besser zu werden.

Das Erreichte ist noch nicht das Ende der Fahnenstange. Vielleicht helfen meine Thesen, um aus coolen InnoDays großartige InnoDays zu machen.

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June 8, 2016 at 9:12 am Leave a comment

Otto InnoDays 2016: Die großen Filter

Wir können nicht alle unsere Ideen umsetzen. Wir müssen selektieren. Bei den Otto InnoDays wurden Ideen bzw. Projekte dazu mehrfach gefiltert.

Zuerst wurden die Ideen durch Abstimmung mit den Füßen gefiltert. Bei der Abschluss-Präsentation wurden die Sieger herausgefiltert. Diese gingen in einen Roadmap-Planungsprozess, in dem erneut gefiltert wurde.

Filter 1: Abstimmung mit den Füßen

Zuerst wurden Ideen gesammelt und veröffentlicht. Über diese Ideen wurde dann mit den Füßen abgestimmt: die Ideen, die zu wenig Mitstreiter fanden, wurden nicht durchgeführt (blaue Seite in dem Bild). Am Ende wurden in Summe 18 Projekte ausgewählt und durchgeführt.

2016-04-28 10.29.59

Filter 2: Sieger kühren

Die Ergebnisse der ausgewählten 18 Projekte wurden im Plenum vorgestellt und vom Publikum sowie einer Jury in verschiedenen Kategorien bewertet. So blieben in Summe 7 Projekte übrig.

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Filter 3: Strategie-Match prüfen

In einer außerplanmäßigen Roadmap-Planungsrunde wurden die verbliebenen 7 Projekte hinsichtlich ihrer “Passung” zur Otto-Strategie geprüft. Es gab die Zusage, dass ein Projekt umgesetzt wird, falls eins zur Otto-Strategie passt. Letztlich wurden 5 der 7 Projekte zur Umsetzung ausgewählt.

Mehrstufiges Filtern

Der beschriebene Ansatz mit mehrfachem Filtern entspricht dem Stand der Kunst für solche Veranstaltungen, mit einer Besonderheit: bei den meisten Hackathons steht am Ende eine Betonmauer, durch die kein einziges Projekt durchkommt.

Filter.001

Vernetzen statt filtern

Allerdings ist der Ansatz des mehrstufigen Filterns aus meiner Sicht noch nicht optimal. Radikale Ideen sind in ihrer ersten Fassung fast immer Mist.

Dazu kommt mir gerade der Tweet von @_Mea_Culpa zu Pass:

Es gibt wahrscheinlich nichts auf der Welt, dass sich so gekonnt als Schwierigkeit tarnt, wie eine Chance.

Um das Potenzial in ersten Ideen herauszuschälen und zu entwickeln,  müssen die Ideen durch verschiedene Köpfe wandern, dort verändert und mit anderen Ideen kombiniert werden. Dann können wirklich großartige Dinge entstehen. Das Ganze hat übrigens Keith Sawyer sehr ausführlich mit vielen Praxisbeispielen in seinem Buch “Group Genius: The Creative Power of Collaboration” beschrieben.

Merge.001

Der große Filter-Ansatz verhindert diesen Prozess und tendiert daher dazu, mittelmäßige Ideen Realität werden zu lassen. Das ist schon mal nicht so schlecht, weil immerhin die schlechten Ideen ausgesiebt werden. Es geht aber viel besser: Diverge & Merge ist leistungsfähiger als Diverge & Filter.

Fazit

Natürlich muss man sich irgendwann mal entscheiden, in was man investiert und was man im Moment bleiben lässt. Bei den Otto InnoDays wurden Ideen schrittweise ausgefiltert, so dass am Ende nur eine übrig blieb. Damit wird das Ziel der Reduktion von Optionen effektiv erreicht.

Der Ansatz zollt aber der besonderen Charakteristik von Innovation nicht den notwendigen Respekt. Fast jede radikale Idee ist in ihrer Rohform unbrauchbar. Ideen müssen durch verschiedene Köpfe gehen und mehrfach verändert und von anderen Ideen inspiriert werden. Neben dem Filtern sollte also auch das Vernetzen von Ideen im Prozess verankert werden.

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June 1, 2016 at 6:41 am Leave a comment

Otto InnoDays 2016: Die Projekte

Bei den Otto InnoDays 2016 wurden insgesamt 18 Projekte durchgeführt. Ich habe mir diese inhaltlich angesehen und nach verschiedenen Kriterien klassifiziert. Wieviele disruptive Ideen waren bei den Projekten wirklich dabei? Wieviele Projekte basierten auf spinnerten Ideen, die sich am Ende nicht umsetzen lassen würden? Welche Projekte sprechen neue Zielgruppen an und welche optimieren „nur“ den existierenden Service für die existierenden Kunden? Und woran liegt es, dass es so gekommen ist, wie es gekommen ist? Und was könnte man noch wie verbessern?

Projekte nach Innovationsaspekt

Häufig wird bei Innovationen unterschieden zwischen Kundenbedürfnissen, Business-Modell und Technologie (das Modell taucht in so vielen Varianten im Internet auf, das ich nicht sagen kann, woher es ursprünglich kommt). Dazwischen gibt es Schnittmengen. So könnte man eine innovative Technologie benutzen, um ein neues Kundenbedürfnis zu decken oder ein existierendes Kundenbedürfnis auf eine aus Kundensicht völlig neue Art und Weise. Oder man deckt ein existierendes Kundenbedürfnis aus Kundensicht wie bisher und nutzt eine neue Technologie “lediglich”, um das Produkt oder den Service preisgünstiger anbieten zu können. Oder man bleibt im Grunde bei seiner Lösung, hinterlegt sie aber mit einem anderen Business-Modell (man könnte z.B. von einem Abo-Modell auf Werbefinanzierung umsteigen).

Ich habe die 18 Projekte der Otto InnoDays grob in dieses Mengendiagramm abgebildet:

Innovationsart.001

Meine Zuordnung der Projekte zu den einzelnen Innovationsaspekten kann man im Detail sicher diskutieren, am Schwerpunkt dürfte das aber nicht viel ändern: Die meisten Projekte näherten sich über angenommene oder tatsächliche Kundenbedürfnisse und versuchten diese über Erweiterungen der Plattform mit den existierenden Technologien anders oder besser zu befriedigen.

Bei Hackathons in anderen Firmen habe ich mitunter ein gänzlich anderes Bild gesehen, nämlich eines mit dem Schwerpunkt bei Technologie. Wenn man nichts weiter unternimmt, ist das auch ein ganz natürlicher Effekt: Die meisten Entwickler sind Technologie-fokussiert und haben eine ganze Menge cooler neuer Technologien gesehen, die sie gerne mal ausprobieren würden. Das ist nicht per se schlecht. Wenn man allerdings nach unternehmensrelevanter Innovation sucht, ist das meist zu wenig.

Daher finde ich es eine wirklich respektable Leistung der Otto InnoDays 2016, dass die Projekte einen so starken Fokus auf Kundenprobleme hatten.

Neue Produkte, neue Märkte?

Eine weitere häufig benutzte Klassifikation für Innovationen ist die Ansoff Matrix. Auf der X-Achse unterscheidet sie zwischen existierendem und neuem Produkt und auf der Y-Achse zwischen existierendem und neuem Markt (aus Anbietersicht). So erhält man vier Felder: existierendes Produkt im existierenden Markt, neues Produkt im existierenden Markt, existierendes Produkt im neuen Markt, neues Produkt im neuen Markt.

Wenn man neue Features zu einem existierenden Produkt entwickelt, bleibt man in der Regel im existierenden Markt. Diese Art der Innovation ist die Gebräuchlichste. Und auch, wenn es vielleicht erstmal etwas langweilig klingt. Diese Art der Innovation ist essenziell wichtig, um die eigene Marktposition halten und ausbauen zu können. Ansoff spricht von Markt-Penetration.

Man kann auch für den existierenden Markt ein neues Produkt entwickeln. Als Apple Anfing nach dem ersten iPod noch den iPod Mini und den iPod Shuffle zu entwickeln, hat Apple neue Produkte für seinen existierenden Markt der Musik-Player entwickelt. Ansoff spricht hier schlicht von Produktentwicklung.

Man kann auch ein existierendes Produkt in einem neuen Markt platzieren. Das bedeutet häufig einfach, dass man ein existierendes Produkt in neuen Regionen anbietet. Das hat mobile.de getan, als sie die Plattform auch in Italien und Frankreich anboten. Ansoff nennt das Marktentwicklung.

Und nicht zuletzt kann man ein neues Produkt für einen neuen Markt entwickeln. Das klingt am coolsten, ist aber auch am schwierigsten. Apple hat das mit dem iPhone und Tesla mit dem Tesla Roadster und später dem Model S gemacht. Ansoff spricht von Diversifikation.

Ich habe die 18 Projekte der Otto InnoDays grob den vier Quadranten zugeordnet:

InnoDaysOtto.001

Auch hier kann man sicherlich im Detail über die Zuordnung streiten. Aber auch hier gibt es einen klaren Schwerpunkt, nämlich die Verbesserung des existierenden Produktes für den existierenden Markt.

Disruptive Innovation?

Gewünscht waren “disruptive Innovationen” und “out of the box”-Denken. Meiner Einschätzung nach, ist das allenfalls in Ansätzen gelungen. Ich finde das auch nicht so verwunderlich, weil die genialen disruptiven Ideen nicht einfach so vom Himmel fallen (siehe dazu den nächsten Blogpost in dieser Serie). Es ist ein komplexer chaotischer Prozess dafür notwendig, der i.d.R. länger dauert als die paar Tage, die für die InnoDays zur Verfügung standen.

Wenn man sich die Projekte der InnoDays ansieht, stellt man fest, die meisten sehr gut in die Otto-Strategie passen und die Umsetzung tatsächlich Mehrwert aus Kundensicht schaffen kann.

Da könnte man sich doch glatt die Frage stellen: Braucht man eigentlich den existierenden Roadmap-Prozess, Portfolio-Management etc.? Würde der Otto-Shop wirklich Schaden nehmen, wenn die InnoDays-Arbeitsweise die Standard-Arbeitsweise wäre, die Teams also selbst entscheiden, welche Features / Produkte sie entwickeln?

Das sowas möglich ist, zeigt Valve mit seiner Art der Entwicklung. Und es würde nicht bedeuten, dass die Leute, die sich jetzt um Produktmanagement kümmern, arbeitslos würden. Sie würden vermutlich gleichberechtigte Teammitglieder werden.

Wenn man da angekommen ist, ist das meiner Meinung nach tatsächlich ganz großes agiles Kino (3 Sterne nach dem Agile Fluency Modell).

Tatsächliche Kundenbedürfnisse?

Die Ideen, die in den einzelnen Projekten verfolgt wurden, erschienen mir auf den ersten Blick plausibel. Beim zweiten Hinsehen war ich mir bei einigen Ideen nicht mehr so sicher. Dass eine personalisierte Suche ein großes Potenzial hat, glaube ich sofort.

Es gab aber eine Reihe von Projekten, an denen ich doch zweifle: Anscheinend hätte Otto gerne einen größeren Marktanteil bei den jungen Käufern. Darauf sind ein paar Teams angesprungen. So entwickelte ein Projekt eine Sprachsteuerung, weil die jungen Leute so ihr Handy benutzen. Andere entwickelten einen Telegram-Chatbot, vom dem man sich beraten lassen kann – die jungen Leute chatten ja viel. Das mögen Produktzugänge sein, die bei der jungen Zielgruppe gut ankommen. Aber würden sie deshalb von Zalando zu Otto wechseln? Kann ich mir nicht vorstellen.

Ich vermute, dass Otto hier vor einer Herausforderung steht: Otto ist im eCommerce sehr stark darin, einzelne Features testweise einzubauen und aus dem Nutzungsverhalten zu lernen (A/B-Testing). Das funktioniert super für Markt-Penetration.

Es ist aber wenig hilfreich, wenn eine neue Zielgruppe adressiert werden soll (die nutzt die Plattform bisher ja kaum oder gar nicht). Da muss man den Kontakt zur Zielgruppe anders herstellen – meiner Meinung nach durch intensiven persönlichen Kontakt der Teams mit der Zielgruppe. Meine Empfehlung aus dem letzten Blogpost war, bei den nächsten InnoDays Endkunden zu integrieren. Mit diesem Blogpost kann ich meine Empfehlung konkretisieren: Es sollten die Endkunden sein, die man mit den Innovationen auch erreichen will.

Wie nah man Kunden bei der Entwicklung sein kann, zeigt sehr schön das Nordstrom Innovation Lab Video).

Fazit

Viele Teams haben den Zugang über die Kundenbedürfnisse gesucht. Das ist eine super Leistung. Direkter Kundenkontakt der Teams könnte helfen, die Bedürfnisse noch während der InnoDays mit wenig Aufwand zu validieren.

Die meisten entstandenen Innovationen waren nicht disruptiv. Sie können aber den Weg weisen, wie insgesamt der Produktmanagement-Prozess deutlich vereinfacht und agilisiert werden kann.

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May 30, 2016 at 9:17 am 1 comment

Otto InnoDays 2016: Der Kulturwandel

Der Otto-Konzern will sich modernisieren und fit für das digitale Zeitalter werden.Wie groß dieser Schritt ist, kann man an einen Ausspruch eines Otto-Mitarbeiters festmachen: “Otto ist eine Behörde mit angeschlossenem Versandhandel.”

Otto-DW-Wirtschaft-Hamburg

Im Bereich eCommerce sind in den letzten Jahren beachtliche Erfolge erzielt worden: Skaliertes Scrum mit mit einer auf Verticals basierenden System-Architektur stellt die technische Basis bereit, auf der Business Agility (um mal ein Buzz-Word zu benutzen) möglich wird.

2016-04-28 11.13.06

Die InnoDays 2016 waren ein weiterer Schritt in Richtung einer auf agilen Werten beruhenden Unternehmenskultur. Bei den InnoDays habe ich erlebt, wo diese Schritte bereits mutig gegangen werden, aber auch wo alte Strukturen immer wieder hervorbrechen.

Silos

In einigen Teams waren klassische Silo-Strukturen deutlich erkennbar. In einer Ecke saßen die Programmierer in einer anderen die Tester und ganz zentral der “Projektleiter”, der die Idee eingebracht hat.

Das zeigte sich auch, als ein Team einen geplanten Interviewtermin absagte, weil der Interviewer nicht da war. In einem agilen Team hätte ich erwartet, dass jemand anderes aus dem Team das Interview durchgeführt hätte.

Ich habe aber auch ganze andere Teams erlebt, in denen wirklich gemeinsam auf Augenhöhe gearbeitet wurde. Die Verwendung von Mob-Programming in einigen Teams war ein gutes Zeichen für diese Art der kooperativen Arbeit.

OTTO_InnoDays16_Brainstorming

Ränge

In einigen Teams soll es mehrere Mitglieder aus der Profession “Projektmanager” gegeben haben, die im Team um die Richtung gestritten haben.

In einem agilen Teams kann es natürlich auch Streit geben. Der Umgang ist allerdings anders als in der traditionellen Welt. In der agilen Welt wird der Konflikt möglichst weit geklärt. Wenn dann noch unterschiedliche Meinungen übrig sind, definiert das Team Experimente, um mehr über das Thema zu lernen und später eine gute Entscheidung treffen zu können.

Hier scheint die “klassische” Kultur noch durch und zeigt, dass die agilen Werte und Prinzipien noch nicht durchgängig von allen gelebt werden.

Technik vor Nutzen

Es gab für die Teams die Möglichkeit, vor der Präsentation ihre Prototypen einigen potenziellen Nutzern vorzustellen und Feedback zu erhalten. Von dieser Möglichkeit haben nur wenige Teams Gebrauch gemacht. Der Grund war wohl Zeitmangel. Man wollte lieber weiter an der Entwicklung arbeiten als zu dem entwickelten Feedback einzuholen.

Das könnte ein Indiz dafür sein, dass einige Teams sich lieber mit der Technik als mit Kunden beschäftigen. Es könnte aber auch einfach bedeuten, dass die Zeit, die für die Entwicklung zur Verfügung stand doch etwas knapp bemessen war.

Und was ist mit Endkunden?

Das, was meiner Meinung nach den nächsten großen Schritt in die richtige Richtung bringen kann, ist der direkte Kontakt mit Endkunden. Bei den InnoDays 2016 war immerhin die Fachseite eingeladen. Auch wenn diese sich sehr gut mit dem Markt auskennen, sollte man die Fachseite nicht mit den Kunden verwechseln.

Nur im direkten Kundenkontakt können wirklich neue Bedürfnisse identifiziert und Lösungen schnell gegen diese Bedürfnisse validiert werden.

Einige Projekte haben sich daran versucht, junge Menschen auf die Otto-Plattform zu kriegen (z.B. durch Sprachsteuerung und Chat-Roboter). Allerdings frage ich mich, auf welcher Basis das passiert ist. Otto macht sehr oft A/B-Tests für neue Features auf der Plattform. Das nützt aber wenig, wenn die mit dem Feature adressierte Zielgruppe noch gar nicht auf der Plattform unterwegs ist. Dann muss man den direkten Kontakten zu echten Menschen aus der Zielgruppe suchen.

Wenn bei den InnoDays 2016 Endkunden ganz oder teilweise dabei wären, dann könnte das der ganzen Veranstaltung nochmal deutlich mehr Schub verleihen und die Lösungen noch besser machen.

Fazit

Ich habe eine insgesamt umgängliche, offene, engagierte Atmosphäre bei den InnoDays 2016 gespürt. Da hat Otto definitiv große Schritte in die richtige Richtung unternommen. Natürlich sind mehr als 100 Leute keine homogene Masse. Daher verwundert es nicht weiter, dass in einigen Teams bereits stärkere Anzeichen einer agilen Kultur zu sehen waren als in anderen.

Die stärkere Integration von Endkunden hat meiner Meinung nach sehr großes Potenzial – nicht nur bei den Otto InnoDays, sondern bei den meisten Hackathons, die ich gesehen habe.

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May 25, 2016 at 9:26 pm Leave a comment

Otto InnoDays 2016: Ziele und Ablauf

Ziele

Das Ziel der Otto InnoDays war, innovative Ideen zu generieren. Sabrina Hauptman dazu: “Wir wollen Freiräume schaffen und zum Anders-Denken anregen; Out-of-the-box-Denken.”

Rahmenbedingungen

Es gibt eine Mission für eCommerce bei Otto:

Mit unseren OTTO Experten finden wir innovative Ideen, die dem Kunden einen relevanten Nutzen verschaffen.

Dafür entdecken wir Unbekanntes, untersuchen komplexe Probleme und lernen aus Nutzerfeedback.

Wir erschaffen gemeinsam Innovationen für die OTTO E-Commerce Plattform.

Es wurden drei Challenges definiert, die im Rahmen dieser Mission Fokuspunkte setzen sollten:

  1. Otto ist da, wo Du bist.
  2. Voller Datendrang
  3. Reduce to the max

Für jede Challenge sollte es später einen eigenen Challenge-Sieger geben. Tatsächlich haben sie viele Projekte an den Challenges orientiert. So sind Mission und Challenges ein gutes Beispiel dafür, wie Alignment hergestellt werden kann, wenn das Was und Warum klar ist. Dann richten sich selbstorganisierte Systeme automatisch daran aus.

Überblick über den Ablauf

Die Otto InnoDays 2016 verliefen insgesamt über zwei Wochen. Die achttägige Ideenphase sollte inspirieren, Ideen hervorbringen und Ideen für die Umsetzungsphase selektieren. In der dann folgenden dreitägigen Umsetzungsphase wurden die selektierten Ideen von Teams so umgesetzt, dass sie am Ende der Woche präsentiert und bewertet werden konnten. An die Umsetzungsphase schloss sich eine Entscheidungsphase und eine potenzielle zweite (vorwöchtige) Umsetzungsphase an, die allerdings etwas von dem Event InnoDays abgekoppelt waren.

Ablauf

Ideenphase

In der Ideenphase wurden nicht einfach nur Ideen gesammelt. Es wurde auch Wissen vermittelt – z.B. zu Interviewtechniken und Prototyping. Auch die Nicht-Programmierer sollten erkennen, dass sie sinnvoll an der Umsetzung teilnehmen können. So konnten sie z.B. erfahren, dass man bereits viel über eine Idee lernen kann, wenn man “nur” einen Papier-Prototypen herstellt.

Schließlich wurden die Ideen publiziert und es wurde mit den Füßen abgestimmt. Wer ausreichend viele Mitstreiter für seine Idee finden konnte, konnte diese in der Umsetzungsphase umsetzen. Ideen, für die sich keiner interessierte, wurden nicht weiter umgesetzt.

In dem Foto sieht man alle eingereichten Ideen. Auf der roten Seite (links) finden sich die selektierten Ideen, auf der blauen Seite (rechts) stehen die Ideen, für die sich keine Teams gefunden haben.

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Umsetzungsphase I

In der Umsetzungsphase arbeiteten die Teams an ihren Projekten. Den Teams standen für die Arbeit durchaus “startuppige” Räumlichkeiten bei Otto zur Verfügung:

2016-04-28 11.13.06

Soweit ich das überblicken konnten, entwickelten dafür alle Teams lauffähige Software. Viele Teams haben ihren Code sogar direkt in die produktiv laufende Plattform integriert.

Die Ideen wurden am Freitag nachmittag im Planung vorgestellt und durch die Teilnehmer und eine Jury bewertet.

2016-04-29 13.36.40

Es gab verschiedene Kategorien, die jeweils eigene Gewinner haben konnten.

Entscheidungsphase

Besonders war, dass mit der Kürung der Gewinner die Geschichte noch nicht zu Ende war. Die Gewinner gingen in einen Recall, in dem bewertet wurde, wie diese zur Otto-Strategie passten. Sollte es einen Match geben, sollte das Projekt zeitnah weitergeführt werden. Dazu war in der Roadmap ein Puffer von 4 Wochen vorgesehen.

Diese Integration in die Roadmap ist im Gegensatz zu anderen Hackathons eine Besonderheit. Das Unternehmen committet sich vorher darauf, auch mind. eine Idee auch weiter zu verfolgen. Dadurch kann effektiv dem Gefühl entgegengewirkt werden, dass die ganze Verstanstaltung am Ende nur “Opium für die Entwickler” ist, um diese bei Laune zu halten. Otto zeigt mit seinem Ansatz deutlich, dass es um mehr geht: Es sollen tatsächlich innovative Ideen generiert werden, die auch ernsthaft für eine dauerhafte Umsetzung in Betracht gezogen werden.

Umsetzungsphase II

In der Umsetzungsphase II sollte dann im Rahmen der Roadmap 4 Wochen lang an einem der Gewinnerthemen weitergearbeitet werden. Jetzt, wo ich diesen Blogpost schreibe, ist mir nicht bekannt, ob und welches Projekt diese Entwicklungszeit erhalten hat.

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May 21, 2016 at 8:59 pm Leave a comment

Otto InnoDays 2016: Warum ich zuerst skeptisch war und dann doch teilgenommen habe.

Als Otto in Person von Sabrina Hauptman mich fragte, ob ich an den InnoDays 2016 teilnehmen wollte, war ich mir unsicher, wieviel mir das wirklich bringt. Schließlich hatte ich schon ähnliche Veranstaltungen besucht: Hackathon, FedEx Day und wie sie alle heißen. Und so richtig überzeugt war ich nie.

Erstmal sieht das alles ganz einfach und plausibel aus. Das Unternehmen möchte innovativer werden (wer möchte das nicht?) und bei vielen Entwicklern gibt es den starken Wunsch, die ganzen neuen Technologien mal auszuprobieren, die “da draußen” gerade angesagt sind.

Also lässt man der Kreativität der Entwickler mal einen oder zwei Tage lang freien Lauf und guckt mal, was herauskommt. Die Veranstaltungen sind dann auch durchweg cool. Man kann die Energie spüren und die Entwickler haben sehr viel Spaß. Das alleine ist für viele Unternehmen bereits eine große Anstrengung und respektiere den Versuch sehr.

Probleme mit vielen Hackthons

Meist ist es aber eben auch nicht mehr als ein erster Versuch:

  • Es gibt keinen definierten Prozess, was mit den Ergebnissen passiert. Es gibt lediglich die diffuse Hoffnung, dass irgendjemand “da oben” schon die Genialität der Ergebnisse erkennen und dann die Projekte in die Roadmap aufnehmen wird. Passiert aber nicht.
  • Die Ergebnisse sind meist extrem technisch (wer wollte nicht schon immer mal einen Hadoop-Cluster aufsetzen oder Docker in Docker laufen lassen?) und der Mehrwert für das Unternehmen bleibt unklar. Auch daher verwundert es mich nicht wirklich, dass niemand die Ergebnisse zu echten Projekten macht.
  • Radikale erste Ideen sind so gut wie immer Mist. So werden dadurch zu guten oder sogar großartigen Ideen, dass sie über einen längeren Zeitraum durch verschiedene Köpfe gehen und mit anderen Ideen kombiniert werden (siehe [Sawyer2008]). Das leisten die Hackathons, die ich gesehen habe, kaum oder gar nicht.

So sind viele Hackathons nicht viel mehr als ein Strohfeuer, als kurz aufflammt, aber letztlich keine Wirkung hat. Es kann sogar zu Frustration führen, wenn die Teilnehmer diese Wirkungslosigkeit erkennen.

Siehe zu dem Thema auch meinen Blogpost zum Konzept der Slack-Time, in dessen Kommentaren Markus Andrezak das Konzept als “Opium für die Massen” bezeichnet hat. Das trifft auch auf so manchen Hackathon zu: Tut er mehr, als die Entwickler zu beruhigen?

Otto InnoDays

Sicherlich ist es bereits eine bemerkenswerte Leistung, wenn ein Konzern wie Otto einen Hackathon wie oben beschrieben umsetzt und damit zeigt, dass sowas nicht den neuen hippen Internet-Unternehmen vorbehalten ist.

Trotzdem blieb für mich die Frage, was ich dabei lernen könnte.

Die ersten Otto InnoDays fanden 2015 statt – damals nur mit den internen Mitarbeitern der Entwicklung. 2016 wurden die InnoDays geöffnet für externe Mitarbeiter und für die Fachabteilungen. Das hört sich schon mal ganz gut an, weil es die Chance bot, aus dem reinen Techno-Fokus herauszukommen. Außerdem waren die Otto InnoDays 2016 sehr groß angelegt – mit einem Prozess, der letztlich zwei Wochen lang lief. Und die Organisation machte auch nicht irgendjemand “mal nebenbei”. Stattdessen stellte Otto nennenswert Kapazitäten für die Vorbereitung und durch Begleitung bereit. Die schienen es wirklich ernst zu meinen.

Damit waren meine Zweifel noch nicht ausgeräumt. Aber die Neugier begann zu überwiegen und so sagte ich zu.

Ziele und Ablauf der InnoDays 2016

Details… (folgen noch)

Otto InnoDays 2016: die ganze Geschichte

Dieser Blogpost ist ein Artikel in einer Blogpost-Serie.

Überblick über die ganze Blogpost-Serie…

Referenzen

  • [Sawyer2008] Keith Sawyer: “Group Genius: The Creative Power of Collaboration”

May 3, 2016 at 2:07 pm 1 comment

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