IO-Maps: vom Projektziel zur Produktvision

February 24, 2009 at 7:34 pm 1 comment


Vor einem halben Jahr saßen wir mit einer Reihe von Product Ownern zusammen und sprachen über die Vorbereitung neuer Projekte. Ich habe vorgestellt, dass man ein Projektziel mit SMART-Kriterien haben sollte und eine Produktvision braucht. Da fragte einer der Product Owner, ob man bei der Formulierung der Produktvision auf Genialität angewiesen ist oder ob es ein strukturierteres Verfahren gibt. Meine spontane Antwort war (mit einem Augenzwinkern): “Da bist Du auf Deine Genialität angewiesen.”

Und direkt danach fiel mir etwas ein, was ich kurz vorher in einem anderen Zusammenhang gesehen hatte: Intermediate Objectives Maps (oder kurz: IO Maps). IO-Maps beginnen mit dem Ziel. Z.B.:

Ziel: Wir wollen Google-Suche als die vorherrschende Suchmaschine ablösen binnen 3 Jahren.

Zu diesem Ziel definieren wir die kritischen Erfolgsfaktoren (Critical Success Factors, CSF). In unserem Beispiel könnten diese sein:

  • CSF: Suche so schnell wie Google.
  • CSF: Suchergebnisse so gut wie Google.
  • CSF: So einfach zu benutzen wie Google.

Man kommt dann relativ schnell dazu, dass diese Bedingen alle notwendig sind, aber irgend etwas fehlt. Wenn wir genauso sind wie Google, warum sollten die Anwender dann zu uns wechseln? Also ergänzen wir unsere Liste um einen weiteren Punkt:

  • CSF: Die geheime Zutat.

(Für ein echtes Projekt sollte hier etwas Konkretes stehen. Wenn ich wüsste, was hier stehen müsste, würde ich nicht diesen Blog-Eintrag schreiben. Dann würde ich gerade mit Hochdruck daran arbeiten, Google zu verdrängen🙂

Und wenn wir weiter nachdenken finden wir wahrscheinlich viele weitere Erfolgsfaktoren:

  • Das neue System sollte mit unserem Corporate Design harmonieren.
  • Das neue System muss auf Internet-Explorer 6 laufen.
  • etc.

Und hier sieht man den Unterschied der IO-Maps zu einer Ideensammlung. Wir suchen an diesem Punkt nur nach den Erfolgsfaktoren, die kritisch sind. Das bedeutet: Wird einer der kritischen Erfolgsfaktoren nicht erreicht, können wir das Ziel nicht erreichen. Und dieses Kriterium trifft auf die neuen Punkte nicht zu. Also haben sie in der IO-Map auch nichts zu suchen. Raus damit. Die IO-Map soll klein und übersichtlich bleiben.

Wir bleiben also erstmal bei vier kritischen Erfolgsfaktoren:

  • CSF: Suche so schnell wie Google.
  • CSF: Suchergebnisse so gut wie Google.
  • CSF: So einfach zu benutzen wie Google.
  • CSF: Die geheime Zutat.

Zu diesen kritischen Erfolgsfaktoren werden jetzt die notwendigen Bedingungen (Necessary Conditions, NC) definiert:

  • CSF: Suche so schnell wie Google.
    • NC: Anwendung lässt sich geclustert betreiben.
    • NC: Neue Hardware kann schnell beschafft und in Betrieb genommen werden.
  • CSF: Suchergebnisse so gut wie Google.
    • NC: Ranking der Suchergebnisse
  • CSF: So einfach zu benutzen wie Google.
  • CSF: Die geheime Zutat.

Auch hier ist Beschränkung angesagt. Wir suchen nur nach den notwendigen Bedingungen. Nützliche Bedingungen haben hier nichts verloren.

Eine sinnvolle Erweiterung der IO-Maps besteht dann darin, zu den notwendigen Bedingungen mögliche Lösungsansätze (High Level Product Backlog Items, PBI) zu definieren. In den meisten Fällen wir spätestens hier aus dem Baum ein Netz. Viele der möglichen Lösungsansätze werden mehrere notwendige Bedingungen herstellen können. In unserem Beispiel sind mögliche Lösungsansätze:

  • CSF: Suche so schnell wie Google.
    • NC: Anwendung lässt sich geclustert betreiben.
      • PBI: Web-Anwendung; Datenbank ist die einzige gemeinsam genutzte Ressource
      • PBI: Datenbank geclustert über Replikation
  • CSF: Suchergebnisse so gut wie Google.
    • NC: Ranking der Suchergebnisse
      • PBI: Viele Referenzen auf eine Seite erhöhen das Ranking.
      • PBI: Link-Farmen werden erkannt und ignoriert.

Und wenn man dieses Bild fertig hat, fällt es in der Regel sehr leicht, die Produktvision zu formulieren. Natürlich ist der Prozess nicht 100%ig determiniert. Man muss die Technik schon im Brain-On-Modus verwenden, aber die Erstellung der IO-Map bringt häufig die notwendige Klarheit und hilft, die wichtigen Fragen zu stellen.

P.S.: Wer eine Idee für die “geheime Zutat” hat, möge sich bei mir melden…

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1 Comment Add your own

  • 1. Florian  |  March 1, 2009 at 11:10 am

    Den Brain-On-Modus finde ich ja sehr gut🙂

    Ist aber wirklich ein interessanter Ansatz.

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