Festpreise und schneller durch Scrum


Boris Gloger hat zwei Blogeinträge zu Festpreisen und Scrum geschrieben (hier und da) und dabei interessante Thesen vertreten. Die Abrechnung
nach Time&Material könne problematisch sein, wenn man nach Scrum arbeitet. Sein Argument ist, dass der Anbieter dann einfach Tagessätze abrechnet und keine große Motivation hat, effektiver zu arbeiten. Aber genau dafür sei Scrum da: effektiver Arbeiten. Ich finde das Argument soweit nachvollziehbar.

Eine Alternative dazu könne ein Festpreis sein – das vertritt auch Jeff Sutherland mit seinem “Money for Nothing, Change for Free”. Wer Scrum richtig macht, sei deutlich effizienter als ein klassischer Anbieter und könne daher mit Festpreisen sehr hohe Margen erreichen. Auch das finde ich erstmal nachvollziehbar.

Aber:

Wir haben uns vor ein paar Jahren um ein Multi-Millionen-Euro-Projekt beworben. Nach einigen Auswahlrunden waren noch wir übrig und ein anderer Anbieter. Der andere Anbieter geht klassisch vor und ist viel größer als wir. Wir haben die Entwicklung zu einem Bruchteil des Preises angeboten, die der andere Anbieter angeboten hat. Ich glaube, unsere Aufwandsschätzung hätte gepasst. Wir wären also tatsächlich deutlich effektiver gewesen als der Anbieter. Scrum sei Dank.

Und jetzt passierte etwas sehr Merkwürdiges. Der Auftraggeber meldete sich bei uns und meinte, unser Angebot sei zu billig und damit
unglaubwürdig. Uns wurde empfohlen, Aufwände für Projektleitung, Testen, Dokumentation etc. extra auszuweisen und damit den Aufwand in “glaubwürdige” Regionen zu bringen. Also haben wir das gemacht. Letztlich waren wir damit immer noch erkennbar günstiger als der andere Anbieter, aber nicht mehr so dramatisch. Und wir haben unsere Margen erhöht.

Damit war der Auftraggeber zufrieden und hat sich für den anderen Anbieter entschieden. Die Argumentation des Vorstandes ging dann wahrscheinlich so: “OK, A ist etwas günstiger, aber B ist größer. Da sind wir auf der sicheren Seite. Also nehmen wir die Mehrkosten in Kauf.”

Dass wir soviel effektiver waren als die Konkurrenz hat uns also gar nichts genützt.

Ich glaube, es gibt jenseits von Time&Material und Festpreis andere Vertragsmodelle, die besser zu Scrum passen (und natürlich kann man prinzipiell Time&Material und Festpreise mit Scrum machen). Ich werde dazu später noch etwas schreiben.

5 Comments

  1. Dass der Kunde “B” bevorzugte kann ich gut verstehen: Denn die Entscheider bei Multi-Millionen-Euro-Projekten gehören ja zu sehr grossen Firmen oder Organisationen und sind Manager und keine EXISTENTIELL vom Wohl der Firma oder Organisation abhängigen UNTERNEHMER.
    Und als Manager sehen sie sich verantwortlich dafür (und werden auch von ihren Vorgesetzten so gesehen), dass sie die “Dinge im Griff haben”. Probleme haben sie nicht damit, etwas teuer beschafft zu haben sondern damit, wenn etwas nicht detailliert und langfristig genug geplant ist und insbesondere dann, wenn sich dieser Plan nicht erfüllt.
    Also: Lieber ein paar Mio mehr zahlen – dafür aber viel eher die (hoch gelegte) Latte nicht übersteigen müssen.

    Also: Scrum und Agilität ist etwas für Unternehmer – und eher nichts für Manager.

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