Lösungs- vs. Problemorientierung

June 19, 2010 at 6:38 pm 3 comments


Klassischerweise geht man Probleme problemorientiert an. Man definiert das Problem und versucht dann, seiner Wurzelursache (Root-Cause) auf den Grund zu gehen. Beseitigt man die Wurzelursache, verschwindet das Problem dauerthaft. Dieser Ansatz findet sich sehr ausgereift bei Toyota, z.B. in Form des 5-Whys-Ansatz (5 mal “Warum?” fragen).

Als Alternative gibt es die sogenannte Lösungsorientierung. Diesen Ansatz gibt es auch schon lange, aber er wird erst jetzt populärer. Beim lösungsorientierten Ansatz versucht man nicht, die Ursachen für Probleme zu analysieren. Stattdessen sucht man direkt nach Lösungsansätzen. Das geschieht z.B. so, dass man fragt, ob es Situationen oder Zeiten gab, in denen das Problem nicht oder weniger stark aufgetreten ist. Die gibt es eigentlich immer. Und dann fragt man, was in diesen Situationen anders war. Und diese andere versucht man dann, wieder herzustellen bzw. zu verstärken.

Problemorientierte Ansätze funktionieren offensichtlich nur dann, wenn es eine stabile und nicht zu komplexe Problem-Ursache-Beziehung gibt. Das ist z.B. in Build-Systemen der Fall oder eben in der Produktion bei Toyota. Wenn am dem Problem Menschen beteiligt sind, ist das häufig nicht der Fall. Dann hat man fluktuierende Ursachen oder die Beziehungen zwischen Problem und Ursachen sind so komplex, dass wir sie nicht analytisch durchdringen können.

Ich habe solche Situationen in Retrospektiven schon mehrfach gesehen. Da war es so, dass bei der Root-Cause-Analysis letztlich nur ein schlappes “OK, wir geben uns mehr Mühe” als Maßnahme herauskam. Oder es kamen konkrete Maßnahmen raus, aber nach deren Umsetzung war das Problem immer noch unverändert da. Und wieder und wieder…

In diesen Fällen kommt man mit problemorientierten Ansätzen also nicht weiter. Wenn man weiterkommen will, sind lösungsorientierte Ansätze Erfolg versprechender. Dabei besteht natürlich das Risiki, dass man die eigentliche Ursache nicht beseitigt und die ganze Zeit nur Work-Arounds baut. Aber das ist immer noch besser, als mit Aufwand Ursachen zu analysieren, die auf jeden Fall sinnlose Maßnahmen hervorbringen.

Ein weiterer Vorteil lösungsorientierter Ansätze ist, dass sie häufig viel schneller sind. Um eine Root-Cause-Analysis vernünftig durchzuführen, brauche ich in einfachen Fällen mind. 30 Minuten. Mit lösungsorientierten Ansätzen ist man häufig schon nach 5 Minuten durch.

Ich gucke da nicht so drauf, dass lösungsorientierte Ansätze generell besser sind als problemorientierte. Es sind einfach zwei Werkzeuge, die ich in unterschiedlichen Situationen anwende.

Ich führe zusammen mit Josef Scherer am 25.08.2010 in Hamburg eine Retrospektiven-Schulung durch, in der sowohl problem- wie auch lösungsorientierte Ansätze durchgenommen werden. Näheres dazu findet sich bei it-agile.

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3 Comments Add your own

  • 1. Sandra Sieroux  |  June 24, 2010 at 9:34 am

    Ganz zu schweigen von dem motivierenden Effekt, der damit einhergeht, wenn wir uns auf unsere stärkeren Momente besinnen.

    Ich nehme auch oft wahr, dass wir viel eher bereit sind, auch mal unbequem erscheinenden Maßnahmen eine Chance zu geben, wenn sie ‘bewiesenermaßen’ schon mal positive Effekte erzielt haben könnten.

  • 2. Coding Dojos « Winkler, RWE, Kombjuda.  |  June 30, 2010 at 7:19 am

    […] Lösungs- vs Problemorientierung […]

  • […] PDRTJS_settings_727087_post_912 = { "id" : "727087", "unique_id" : "wp-post-912", "title" : "Buchempfehlungen+zu+l%C3%B6sungsorientiertem+Coaching", "item_id" : "_post_912", "permalink" : "http%3A%2F%2Fstefanroock.wordpress.com%2F2010%2F07%2F08%2Fbuchempfehlungen-zu-losungsorientiertem-coaching%2F" } In der letzten Zeit sind lösungsorientierte Ansätze (im Gegensatz zu problemorientierten Ansätzen wie Root-Cause-Analysis) etwas bekannter geworden. So haben wir auch beim Retrospektiven-Training am 25.08.2010 in Hamburg die lösungsorientierten Ansätze dabei. Die Grundzüge der Lösungsorientierung hatte ich bereits in einem vorigen Blogpost erklärt. […]

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