Meine Mac-Erfahrungen

October 8, 2010 at 6:35 pm 4 comments


Vor gut einem halben Jahr habe mein IBM/Lenovo Thinkpad-Notebook mit Ubuntu eingetausch gegen ein MacBook Pro. Zeit genug, um ein vorläufiges Resume zu ziehen. In meiner persönlichen total subjektiven Bewertung liegt der Mac eine Nasenlänge vor Thinkpad mit Ubuntu. (Beide liegen um Längen vor Windows, auch vor Windows 7).

Im Einzelnen (+ bedeutet, dass es besser ist als Thinkpad/Ubuntu, – bedeutet, dass es schlechter ist, = bedeutet, dass es ungefähr gleich ist):

Gehäuse
+ Aluminium fühlt sich edel an
– sieht aber mit etwas Abstand eigentlich genauso aus wie billiges Plastik
– ist etwas rutschig, wenn man zugeklapptes Gerät aufrecht trägt
– lädt sich bei passendem Wetter elektrostatisch auf, so dass man beim Anfassen manchmal leichte Stromschläge bekommt
– mattes Display kostet Aufpreis
+ Akku kann man nicht einfach so austauschen und es gibt anscheinend keinen Zweitakku
– es gibt keine Docking-Station, aber fast alles ist USB also tut es auch ein USB-Hub

Tastatur
+ beleuchtet
– Return-Taste sehr klein
– Cursor-Tasten sehr klein
– kein POS1/Ende: Im Prinzip durch andere Tastenkombinationen ersetzbar, aber die sind nicht in allen Apps verfügbar oder kollidieren mit Spaces
– keine Page-Up/Page-Down-Tasten
– Anschlag: nicht so gut wie bei Lenovo Thinkpad, aber besser als bei Billig-Dell
= Was auf PC “Ctrl” heißt hier “Cmd” und “Ctrl” auf dem Mac ist was ganz anderes. Daran habe uch mich aber schnell gewöhnt.
– []|{} ist nicht auf die Tasten drauf gedruckt. Ich weiß, wo die Zeichen sind, habe beim Tippen aber doch immer eine leichte Verzögerung.

Trackpad
+ sehr groß und dadurch gewöhnungsbedürftig: am Anfang hatte ich da immer mehrere Finger drauf und habe versehentlich Gesten ausgeführt; daran habe ich mich aber schnell gewöhnt und habe jetzt Probleme mit den kleinen Trackpads der PC-Notebooks
+ durch die Größe arbeitet man eher mit beiden Händen (eine für Bewegung, eine für Klicken, was wiederum ganz angenehm sein kann)
+ Gesten für Scrollen, Zoomen, Drehen etc.

Sleep-Mode
+ Der Rechner erwacht super-schnell aus dem Sleep-Mode.

Betriebssystem/Oberfläche
+ die allermeisten Mac-Programme haben eine sehr gefällige und einheitliche Optik. Das ist deutlich angenehmer als unter Ubuntu.
– Spaces kommen nicht an Linux heran: sind mit der Maus nur umständlich zu benutzen
– Spaces: keine Visualisierung der offenen Fenster in der Menüleiste, dadurch schlechte Übersicht, was man wo auf hat
+ Dock: Nett
= Drucken ging nicht auf Anhieb mit MP620; ich musste Treiber bei Canon runterladen; immerhin gibt es welche für Mac und sie funktionieren auch gleich einwandfrei
= Spot-Light ist nützlich (ähnlich dem Ubuntu-Äquivalent)
– Finder kann kein FTP/SFTP (im Gegensatz zu Ubuntu Nautilus)
– Der Finder hat insgesamt ein paar nette Features und teilweise total verwirrendes Verhalten. Das scheint mir mal ein Komplett-Rewrite angesagt.
– Nach wir vor finde ich merkwürdig und auch eher störend, dass Programme weiterlaufen, auch wenn alle Fenster geschlossen sind.
– Die Anzeige der Akku-Restlaufzeit scheint mir ziemlich erratisch. Nach dem Laden des Akkus zeigt der Mac 5:30 Stunden an. Nach 30 Minuten harmloser Aktivität sind noch 2 übrig.

Applikationen
+ Skype ist einfacher zu installieren als unter Ubuntu; Video funktioniert auf Anhieb; keine Audio-Probleme
+ DVD geht sofort. Allerdings hat der mitgelieferte DVD-Player deutliche Usability-Defizite (z.B. beim Einschalten des Vollbild-Modus)
– MPEG, WMV gehen nicht auf Anhieb und man muss Zusatzkram im Internet finden und runterladen
– Safari öffnet Links immer in neuen Fenstern und man kann das in Safari selbst nicht umstellen. Wenn man “defaults write com.apple.Safari TargetedClicksCreateTabs -bool true” in der Console startet und dann Safari neu startet, werden Links in Tabs geöffnet. Das ist mir alles zu nervig und ich benutze dann doch lieber Firefox auf Mac.
– Installation von Komponenten und Software ist in Ubuntu über das Software-Center viel eleganter gelöst als auf Mac. Aber vielleicht macht Apple hier ja mit dem geplanten Mac-App-Store Boden gut.
+ Synchronisation mit dem iPhone geht unter Mac natürlich nahtlos und ist unter Ubuntu leider eine ziemliche Katastrophe. Ubuntu erfordert eigentlich ein Android-Handy.

Programmierung
+ Ruby/Rails gleich drauf
= Installation aber sonst wie Linux: Compilefehler bei gem install webrat, weil man erst 2,5 GB XCode-Kram installieren muss
– Vervollständigung mit Tab in der Shell funktioniert nur Top-Level, aber nicht mehr danach (git pull origin master)
– Für Navigation in einer Zeile in der Shell muss man sich eigene Tastenkürzel merken oder irgendwas konfigurieren, was ich nicht verstanden habe.
+ TextMate ist ganz cool

Wie gesagt, meine persönliche Bewertung für meine speziellen Einsatzkontexte. Ich nutze z.B. durch meine Reiserei viele Multimedia-Funktionalitäten (DVD im Hotel), Skype zum Telefonieren etc. Wenn ich den Rechner nur zum Programmieren verwenden würde, würde ich Ubuntu den Vorzug geben.

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4 Comments Add your own

  • 1. Robert Beeger  |  October 8, 2010 at 7:22 pm

    Hallo Stefan,

    Page Up = fn+Cursor Up
    Page Down = fn+Cursor Down

    Für die Git-Autocompletion musst du das git-completion.bash in deine Shell einbinden. In meiner .bash_profile steht “source /usr/local/git/contrib/completion/git-completion.bash”.

    Viele Grüße,
    Robert

  • 2. stefanroock  |  October 8, 2010 at 7:58 pm

    Page Up / Page Down ist das gleich Drame wie Pos 1 / Ende: Das müssen die Anwendungen anscheinend selbst implementieren und daher sind diese Funktionen nicht einheitlich in den Anwendungen.

    Danke für den Hinweis mit der Git-Autocompletion. Ist natürlich nicht so gut wie unter Ubuntu. Da geht das out of the box.

  • 3. Till  |  October 15, 2010 at 8:12 am

    “Dock: Nett”
    Ja, das Dock ist nett. ich selbst benutze es aber fast nicht mehr. Programme starte ich mit Alt-Leertaste (=Spotlight). Programme wechsel ich mit Exposé oder dem guten alten Alt-Tab. Beides geht toll mit vier-Finger-Gesten. Vier Finger nach links/rechts = Alt-Tab; Vier finger nach unten = Exposé; vier finger nach oben = Blick auf den Desktop. Was nett ist im Dock ist die Möglichkeit Order “aufzufächern”. Das nutze ich in der Tat gern und finde es sehr praktisch für bspw. den Download-Folder.

    Was meinst Du mit “Navigation in einer Zeile der Shell”? Mir ist noch nicht aufgefallen, dass da irgendwas seltsam wär. So häufig benutze ich das Terminal aber auch nicht. Die Funktion die mir am wichtigsten ist, nämlich inkrementelle Suche über Ctrl-R funktioniert aber out-of-the-Box.

    Ich bin mittlerweile bei Chrome auf dem Mac angekommen. Safari ist mir zu doof und Firefox zu langsam.

    Als Bonus noch ein interessanter 5-Finger Trackpad Workflow den ich mir angewöhnt habe:
    – Vier Finger nach oben schieben
    -> Blick auf den Desktop
    – auf dem Desktop eine Datei ziehen (Daumen!🙂 )
    – Dann vier Finger nach unten ziehen
    -> Exposé
    – Gezogene Datei auf dem gewünschten Fenster platzieren
    – Fenster poppt auf und man kann die Datei dort reindroppen.

    Toll dieses Multitouch.

    FTP/SFTP: MacFUSE/MacFUSION ist Pflicht.

    vielleicht war hier noch etwas interessantes für Dich dabei.

  • 4. stefanroock  |  October 28, 2010 at 8:51 am

    >Was meinst Du mit „Navigation in einer Zeile der
    >Shell“? Mir ist noch nicht aufgefallen, dass da
    >irgendwas seltsam wär. So häufig benutze ich das
    >Terminal aber auch nicht.
    Springen von Wort zu Wort habe ich unter Mac noch nicht hinbekommen. Und das brauche ich relativ häufig, nachdem ich mit Ctrl-R eine Zeile wiedergefunden habe.

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